Projekt

Europaweit: Stadtmachen – Orte, Tempo, Engagement

Wer macht eigentlich Stadt mit wem? Und was muss passieren, damit bürgerschaftliches Engagement und öffentliche Hand gut zusammenwirken? Wir durften zehn Fallstudien in deutschen, niederländischen und österreichischen Groß- und Mittelstädten durchführen, über 100 Akteur:innen interviewen und die Ergebnisse in mehreren Workshops mit Fachleuten reflektieren. Herausgekommen ist die Publikation „Stadtmachen: Orte, Tempo, Engagement“.

In dem explorativen Forschungsprojekt der Wüstenrot Stiftung haben wir einen Paradigmenwechsel in der Stadtentwicklung identifiziert, hin zu einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur:innen. Gründe dafür gibt es viele. Demokratie, Teilhabe, Expertise und Ressourcen sind nur vier davon. Im Anschluss haben wir gefragt, ob Kooperation als Begriff überhaupt noch ausreicht, um das Zusammenspiel und die offenen Prozesse zu beschreiben, in denen Menschen verschiedener fachlicher, institutioneller und privater Herkunft gemeinsam neue Wege beschreiten. Unsere Antwort: Wenn sich Kommune und Zivilgesellschaft – in einigen untersuchten Fallstudien auch die Wirtschaft – auf gemeinsame Projektziele einigen und an ihrer Umsetzung arbeiten, entsteht im besten Falle kollaborative Energie.

Diese kollaborative Energie ist jedoch voraussetzungsreich. Sie braucht einen hinreichend belastbaren gesellschaftlichen Konsens über Form und Ausmaß der Verantwortung der Beteiligten für die eigene Stadt. Sie braucht den Willen zur Konsensfindung jenseits der Domänen von Fachwissen, Zuständigkeiten und Partikularinteressen. Und sie braucht das Vertrauen darin, dass das gemeinsame Projekt die Lebensqualität aller Menschen in der Stadt am Ende stärken wird.

Darüber hinaus durften wir in den Fallbeispielen, in denen sich die Aktiven vor Ort um ganz unterschiedliche Sektoren – von Wohnen über Erholung bis hin zu Begegnung – kümmern, eine „komplementäre Planungskultur“ beobachten. Diese definieren wir als verstetigte Bereitschaft zur Integration vielfältiger Perspektiven und Akteur:innen in die Projekte. Die Offenheit für flexible Planungsprozesse, die iterativ angepasst werden können und Raum für kreative Lösungen bieten, war ein Schlüssel zum Erfolg aller Vorhaben. Neue Aufgaben, neue Rollen und neue Profile haben die Beteiligten entdeckt, sich auf unterschiedliche Zeitperspektiven und Planungsgeschwindigkeiten eingelassen und ihr Engagement mehr als einmal in Entrepreneurship verwandelt. Die Schauplätze ihres stadtmacherischen Handelns lassen sich weiterhin besichtigen.

Das Buch zum Projekt zeigt bildreich die Fallbeispiele, porträtiert Mitwirkende als Typen, die wichtig fürs Stadtmachen sind und belegt in reflektierenden Essays die Notwendigkeit, Stadtmachen als emanzipatorischen Akt zu begreifen. Unverändert aktuell, aber leider bei der Wüstenrot Stiftung aktuell vergriffen. Sobald es wieder verfügbar ist, finden Sie die zugehörige Information hier sowie auf der Homepage der Stiftung.

Im Auftrag
der Wüstenrot Stiftung

Laufzeit
2013 bis 2017

Externe Links
Weitere Informationen

Leistungen
Analyse
Forschung
Kommunikation

Themen
Demokratie und Teilhabe
Öffentlicher Raum
Planungs- und Baukultur